7/09/2013

Waschbär

Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder zurück, eigentlich habe ich nichts aufregendes zu erzählen, da ich aktuell nur mit Umzug und der Zusammenstellung meines Haushaltes beschäftigt bin. Daher habe ich mich entschieden eine Art Präsentation über ein lieb gewonnes Tierchen erarbeitet. Der Text ist zwar etwas länger geworden, allerdings kann man ja nie genug über alles wissen. Also hier nun:
 Der Waschbär!



Inhaltsverzeichnis
  1. Herkunft und Namensgebung
  2. Merkmale
  3. Lebensweise
  4. Waschbär & Mensch  
  5. Quellen


Herkunft und Namensgebung
Der Waschbär kommt ursprünglich aus Amerika und wurde Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgreich auf europäischem Festland, dem Kaukasus Gebiet und in Japan erfolgreich angesiedelt. In Amerika kommt er von Panama über Mexiko bis nach Kanada vor. Hier sind unterscheiden sich die Tiere von Süden nach Norden von ihrer Größe, man kann sagen dass sie nach Norden hin immer größer werden. Es gibt außerdem eine handvoll Unterarten der Waschbären die ausschließlich auf den folgenden Inseln vorkommen: Bahamas, Guadeloupe, Tres-Marias und Cozumel.

Der englische Name des Waschbären raccoon stammt aus der Sprache Algonkin (einer Sprache mehrerer Völker und Stämme eines dessen auch Pocahontas angehörte), die Waschbären mit der Bezeichnung ahrah-koon-em benannten. Das heißt so viel wie der mit seinen Händen reibt, schrubbt und kratzt. Das bezieht sich auf ein spezielles Verhalten von Waschbären was manchmal auch als "Nahrung waschen" bezeichnet wird. In den meisten Sprachen baut sich die Bezeichnung für Waschbär also aus einer Bezeichnung für waschen, kratzen, schrubben o.ä. und der Bezeichnung Bär oder Kleinbär zusammen.
 


Merkmale
Der Waschbär gehört zu den Kleinbären und ist der größte Vertreter dieser Gruppe. Man dachte früher dass er eher mit Hunden, Katzen oder Marderhunden verwandt wäre. Letzteres da der Marderhund eine stark ähnliche Gesichtsmaskierung wie der Waschbär aufweist.

Die Körperlänge von Waschbären liegt zwischen 41 bis 71cm plus einem durchschnittlich 25cm langen Schwanz und sie werden bis zu 30cm hoch. Das Gewicht liegt je nach Jahreszeit sogar zwischen 1,8Kg bis zu 13,6Kg! Wobei die meisten nur bis zu 9Kg schwer werden.

So viel zu den banalen Eckdaten; jeder kennt die markante Gesichtszeichnung der Waschbären die an eine Räubermaske erinnern. Es wird angenommen, dass diese Zeichnung in Verbindung mit den Schwar-Weiß geringelten Schwanz in Gestik und Mimik der Kommunikation unter den Waschbären dient. Des weiteren wird angenommen, dass die schwarze Maske um die Augen Blendeffekte reduziert und dadurch die Nachtsicht verbessert.

Waschbären brauchen eine gute Nachtsicht, da sie nachtaktiv sind. Allerdings spielt ihre Sehkraft eine geringe Rolle. Zweitrangig für Waschbären ist ihr Gehör, da sie auch leiseste Geräusche wahrnehmen können, wie zB. einen grabenden Regenwurm unter der Erde. Doch am wichtigsten für den Waschbären ist sein Tastsinn, zu dem ich in den folgenden Absätzen komme.

Bemerkenswert ist auch, dass Waschbären 5 Zehen an ihren kleinen Pfötchen haben, leider ist der Daumen nicht opponierbar (also freistehend um in den anderen Fingern gegenüber zu stellen). Dennoch sind ihre Pfötchen ihr wichtigstes Werkzeug! Denn mit ihren hypersensiblen Pfoten können sie Gegenstände schon kurz vor dem Berühren erkennen, da sie kleine Vibrisse (Tasthaare) über ihren Krallen haben. Ihr über aus guter Tastsinn geht darauf zurück, dass 2/3 ihres Großhirns auf den Tastsinn konzentriert ist, das ist mehr als bei allen anderen bisher erforschten Tierarten!

Noch dazu kommt, dass Waschbären ein über aus gutes Gedächntis haben.
Ein Verhaltensforscher hat 1908 eine Reihe von Versuchen gemacht, bei denen Waschbären 13 komplexe Verschlüsse öffnen mussten. Nach dem ersten Durchgang konnte er die Verschlüsse komplett anders anordnen oder auf den Kopf stellen und die Waschbären haben sich nach kurzem Ertasten der Verschlüsse an die Lösung erinnert und diese durchgeführt. Der Verhaltensforscher hat 3 Jahre später den selben Waschbären die selben Verschlüsse vorgelegt und sie konnten sich immer noch nach kurzem Ertasten sofort an die Lösung erinnern! Ich persönlich finde das sehr beeindruckend, vor allem in der Hinsicht darauf wie Waschbären in der Allgemeinheit dargestellt werden.




Lebensweise

Man hat immer angenommen, dass Waschbären Einzelgänger wären. Doch man hat in 90er Jahren erforscht, dass Waschbären ein sehr komplexes Sozialverhalten aufweisen. Zum einem teilen sie sich ihre Territorien in speziellen Gruppen; Verwandte Weibchen schließen sich zu Gruppen, die sich ein Streifgebiet teilen und zu gemeinsam genutzten Schlaf- und Futterstellen treffen. Männchen hingegen tuen sich immer mit nicht verwandten Männchen zu lockeren Gruppen zusammen, die sich trotzdem ein Areal teilen.

Weibchen ziehen ihre Kinder alleine groß und säugen und erziehen sie bis zum Herbst. Danach bleiben die meisten weiblichen Kinder bei der Mutter und die Männchen trennen sich in weiter entfernte Gebiete, dieses Verhalten ist ein Selbstschutz vor Inzucht (meiner Meinung nach auch ziemlich interessant). 

Waschbären essen alles mögliche von wirbellosen Tieren wie Regenwürmer, Nacktschnecken u.ä. über pflanzliche Nahrung bis hin zu kleineren Wirbeltieren wie kleine Vögel. Im Frühjahr sind es meist wirbellose Tiere, zum Winter hin eher Obst und Nüsse, da diese sich am besten dazu eignen Winterspeck an zu fressen. Vögel und Kleinsäuger gehören daher nur selten zu ihrer Beute, da sich die Jagd vergleichsweise nicht lohnenswert ist.

Nun kommen wir zu einem weiteren interessanten Verhalten: Das Waschen von Nahrung.
Waschbären tasten ihr Futter mit ihren Pfötchen nach Dreck und unerwünschten Teilen ab (wie zB. Schneckenhäuschen oder Obststiele, -kerne). Unter Wasser wird ihre Hornhaut schnell aufgeweicht und dieser Sinn wird noch zusätzlich unterstützt. Allerdings sieht man dieses waschen der Nahrung bei frei lebenden Tieren eher selten, doch bei Tieren in Gefangenschaft ist dies häufiger zu beobachten. Es wird hinreichend angenommen das dies eine Leerlaufhandlung ist, die die Suche nach Kleinlebewesen im Flussbett imitieren soll.








Waschbär & Mensch
In der Hinsicht auf die Lebenserwartung der Waschbären, die lediglich bis zu 3 Jahren beträgt, obwohl Waschbären sehr wohl in der Lage wären bis zu 16 Jahren und älter zu werden, kommen wir zum nächsten Aspekt. Der Mensch und der Waschbär im Konflikt!

Durch die immer stärker werdende Überschneidung vom Lebensraum der Waschbären und dem des Menschen geraten diese immer mehr aneinander und es haben sich zwei Seiten gebildet. Auf der einen Seit gibt es Experten, die stark davon abraten Wildtiere zu füttern und wiederrum Experten, die Tipps zur korrekten Fütterung von Wildtieren geben. Ich persönlich tendiere eher dazu Wildtiere nicht zu füttern, vor allem wenn man in stark besiedelten Gebieten wohnt. Wenn jetzt jemand auf einem Hof mitten im Nichts Katzenfutter für Igel raus stellt, sollte das wohl keinem schaden. Zurück zum Thema;
Ein großes Problem bei der Bekämpfung von Waschbären ist, dass es nahe zu Sinn frei ist. Denn die Kosten der Beseitigung eines Waschbären ist vergleichsweise kosten schwerer als die Vorbeugung. Zum Beispiel wenn man einen Waschbären auf dem Dachboden hat sollte man eher nach Möglichkeiten suchen den Zugang zu versperren, anstatt Fallen zu kaufen oder Schädlingsbekämpfer zu engagieren. Vor allem da sich nach der Beseitigung des ersten Tieres schnell ein neuer Waschbär einziehen wird, denn meistens weiß nicht nur ein Waschbär von solchen Schlafplätzen.

Unter dem folgenden Link findet ihr humane Tipps, wie man sein Haus und Hof für Waschbären uninteressant gestaltet: http://www.diewaschbaerenkommen.de/html/massnahmen.html

Angeblich ist der Waschbär auch ein starker Krankheitsüberträger, doch auch dies ist nicht ganz richtig. Zumindest im europäischen Raum hat der Waschbär lediglich ein stark eingeschränktes Parasitenspektrum. Nur der Waschbärspulwurm ist potenziell gefährlich für den Menschen. Doch dieser wird erstens nur über die orale Aufnahme des infizierten Kotes von Waschbären aufgenommen und zweitens ist der menschliche Körper in der Regel ein Fehlwirt für den Spulwurm. Daher ist selbst bei der oralen Aufnahme von infiziertem Waschbärkot das Risiko einer Erkrankung sehr gering.

Hier mit komme ich zum letzten Punkt der Konflikte zwischen Mensch und Waschbär; Jagd.
Um die Population von Waschbären zu minimieren werden während der Jagdsaison immer mehr Waschbären erlegt. In der Saison von 2010/2011 wurden dafür 67.700 Waschbären getötet! Doch das Problem ist wie folgt; Waschbären haben wie nicht wenige Wildtiere die evolutionäre Eigenschaft bei verstärkter Bejagung die Geschlechtsreife ihrer Weibchen immer früher zu entwickeln. Soll heißen, umso mehr Waschbären ich töte, desto mehr Weibchen sind noch vor dem ersten Geburtstag geschlechtsreif und bekomme wieder durchschnittlich 4 Waschbärbabys. Außerdem kann es dazu kommen dass die Tiere häufiger als gewöhnlich im Jahr empfänglich werden und werfen. Erinnert mich etwas an eine Szene im Kinderfilm Herkules, indem er einem Monster den Kopf abschlägt und dafür drei neue kommen. Für jeden getöteten Waschbären kommen 3 neue dazu. 
Leider sind diese Theorien und Entwicklungen noch nicht lange und gründlich genug erforscht um diese effizient gegen die Jagd einsetzten zu können.


Quellen
Wikipedia 
diewaschbaerenkommen.de 
Fotos: Janina Pahl; Waschbären im Wisentgehege Springe  

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